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Entwurf  zur  Gestaltung  der  Carlsberger  Gärten  hinter  dem  herzoglichen Schloss, vermutlich von Johann Georg Bernhard Petri, um 1788.


Das Konvolut beinhaltet einen Plan, der unter der Nummer 25 bezeichnet wird als: „Anlage mit Gartenbeeten und Gewächshäusern“. Dieser recht harmlose Titel verbirgt eine wahre Sensation: es handelt sich nämlich dabei um den wohl einzig bekannten authentischen Gartenplan des Carlsbergs schlechthin. Der Planausschnitt umfasst den Bereich herzogliches Schloss, Gärtnereien, Marstall und Remise, und erstreckt sich dann überwiegend in das östliche Waldareal, von dem bislang außer wenigen Funden und Plandeutungen aufgrund des Parzellierungsplanes von 1797/98 sehr wenig bekannt ist21.

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Der Plan ist nicht datiert und signiert, aber die zeichnerische Handschrift verrät den Urheber und zwar Johann Georg Bernhard Petri, aus dessen Händen in gleichem Konvolut sechs signierte Planzeichnungen Gartenanlagen zeigen, die er 1785 in England studierte und dokumentierte.
Nach seiner Rückkehr aus England erhielt er 1788 eine Anstellung am herzoglichen Hofe und den Auftrag von Carl II. August zur Umgestaltung des Carlsberger Hofgartens. Auf diesen Auftrag bezieht sich wohl dieser hier nun vorliegende Plan.
 
Petri gibt bei dieser Gelegenheit kleine, aber wichtige Aussagen über die Gliederung (und letztlich die Baugeschichte) des herzoglichen Schlosses. Mangels originaler Pläne sind diese Aussagen von großem Interesse. Petri verzeichnet nämlich sämtliche Durchfahrten des Schlosses, von denen bislang nur drei eindeutig bekannt waren: und zwar die Durchfahrten inmitten der beiden Seitenflügel, sowie der des Westflügels. Eine Durchfahrt im Küchenflügel (Verlängerung des Corps de Logis) war bislang nicht bewiesen, zumal die vor Ort noch vorhandenen Kellerwände durchgängig sind und keinen Hinweis auf eine Durchfahrt geben. Mit Petris Plan ist eine Durchfahrt an der Nahtstelle zum Nordflügel des Schlosses nun eindeutig belegt. Die zahlreichen Küchenräume, die in verschiedenen Inventaren belegt sind22, umfassten demnach einen in sich abgeschlossenen Bereich im Erdgeschoss des Küchenflügels.
 
Bislang gänzlich unbekannt war eine Durchfahrt im Erdgeschoss des Galerieflügels, obwohl diverse Baurechnungen dies schon vermuten ließen23.  Das hiesige Erdgeschoss beinhaltete untergeordnete Räume des Schlosses, wie z.B. die Büchsenmacherei. Der Flügel selbst war dabei wahrscheinlich nicht unterkellert, da der im Garten befindliche Teil des Traktes bereits um eine Geschosshöhe über dem Bodenniveau des Küchenhofes liegt und bislang keine Spuren auf eine tiefere Gründung gefunden wurden24.
Der breite Abstand zwischen Galerie- und Küchenflügel ist wie hier vorliegend eine zeichnerische Ungenauigkeit, da gemäß der örtlichen Befundsituation der lichte Abstand beider Trakte gerade 0,50 cm beträgt.
 
Im nördlichen Anschluss an die Schlossgebäude folgte eine der vielen Gärtnereien des Carlsberges, wobei hier mangels anders lautender Informationen die holländische Gärtnerei vermutet wurde, die bereits in der Anfangszeit der Carlsberger Zeit angelegt worden ist. Markant sind die beiden exakt nach Süden ausgerichteten Treibhäuser mit zentraler Durchfahrt, der eine Reihe von Beeten in Richtung Schloss folgte. Da die Baurechnungen für den holländischen Garten ebenfalls zwei Treibhäuser belegen, konnte auch dies als Indiz für die hiesige Platzierung zu Rate gezogen werden25. Bislang nicht bekannte Baurechnungen im Landesarchiv Speyer verweisen allerdings auf die Anlagen des Gärtners Reichard26.
 
Als letzte Gebäudegruppe auf dem Plan erscheint der Großteil des Marstalls. Der Haupthof wurde vierseitig von Stallgebäuden umhüllt. Zur Paradestraße, die von Petri als zweihüftige Allee dargestellt ist, gliedert sich das Gebäude in zwei Eckpavillons und einen zentralen Pavillon mit Durchfahrt. Im rückwärtigen Trakt befindet sich mit der Reithalle das größte Einzelgebäude des Carlsbergs. Der ebenfalls vierseitig umschlossene nördliche Hof wird auf dem Plan nur angeschnitten, der südliche Hof, dem aus Platzgründen der abschließende (Süd)Flügel fehlt (die anschließenden Gewächshäuser steigen schlagartig um eine Geschosshöhe an), wird an der offenen Seite durch ein Gitter abgeschlossen.

Soviel zu den Gebäuden. Nun zu den gärtnerischen Anlagen. Dass es sich um einen Entwurf handeln muss, erklärt sich aus Diskrepanzen zur Örtlichkeit und den bislang bekannten Fakten. Auffallend ist die Gestaltung an der Gartenseite vor dem Südflügel des Schlosses. Da das Gelände nach Süden um Geschosshöhe abfällt, war das Untergeschoss von der Stirnseite des Flügels bis kurz vor der Durchfahrt des Südflügels freistehend. Ab der Durchfahrt zog sich eine Stützmauer in Richtung Orangerie. Diese Situation ist auf allen bekannten Darstellungen des Schlosses dargestellt27 und durch die örtliche Befundlage gesichert. Petri zieht das Gelände durch, was die Folge gehabt hätte, dass eine neue Stützmauer in Fortsetzung der Stirnseite des Südflügels notwendig geworden wäre. Die Freifläche wäre mit einer großen Rasenfläche versehen worden, in deren Mitte eine im Grundriss ovale Bepflanzung vorgesehen wäre. Ein Rundweg hätte an das Hauptwegesystem des Schlossgartens angeschlossen, wobei von diesem Gartenabschnitt aus kein Anschluss an die Orangerie erkennbar ist.
 
Das Gelände hinter dem Schloss besaß sicherlich von Anbeginn der Baumaßnahmen auf dem Carlsberg eine Gestaltung. Diese resultierte wohl aus bislang vorhandenen Strukturen noch aus der Louisenhofzeit. So findet sich z.B. eine Parzellierung (für einen separat ausgeschiedenen Waldbezirk) nicht nur im Parzellierungsplan von 1797/98, sondern auch noch heute in der Deutschen Grundkarte, aber auch als niedrige Böschung im Gelände. Bei Petri erscheint diese Struktur nicht. Weiterhin befand sich in diesem Areal ein Bassin, das nach 1783 entstanden ist und von dem sich bis vor ca. 20 Jahren die Spuren im Gelände gefunden hatten28. Dieses Bassin, das mit zwei Hirschköpfen dekoriert und einer Fontäne ausgestattet war29, findet bei Petri ebenfalls keinen Niederschlag. Möglicherweise steht ein Hinweis in den Tagelohnlisten des Jahres 1790 mit der Planung Petris in Zusammenhang, wonach das Bassin abgebrochen und die Vertiefung verfüllt wurde30.
 
Petri dokumentiert allerdings die – wohl von ihm vorgesehene – Wegeführung, von der momentan nicht nachweisbar ist, inwieweit sie schon seit Anbeginn der Schlosszeit vorhanden war. Der Weg umschließt ein nierenförmiges Areal, dessen Ausgangs- und Zielpunkt das Corps de Logis des Schlosses ist. Das unmittelbar östlich des Schlosses angrenzende Gelände war als Freifläche konzipiert. Petri unterscheidet in seiner Darstellung zwischen Wald und Einzelpflanzungen. Waldareal ist durch dichte Baumgruppen gekennzeichnet, während Einzel- oder Gruppenpflanzungen in ihrer Darstellungsqualität aufwändiger gestaltet sind. Innerhalb der Freifläche sind an markanten Punkten kleine Quadrate eingezeichnet, die wohl den Standort von Einzelobjekten symbolisieren. Hierbei könnte es sich z.B. um Skulpturengruppen handeln. Man denke hierbei an die im Historischen Museum der Pfalz aufbewahrte Gruppe „Bacchus auf dem Ziegenbock“ oder die „Florabüste“, die beide angeblich vom Carlsberg stammen sollen. Zu denken wäre aber auch Volieren, die im Bereich hinter dem Schloss durch Rechnungen belegt sind. Petri verzeichnet weiterhin insgesamt eine ganze Reihe von kleinen rechteckigen Feldern, bei denen es wohl um Parkbänke handeln dürfte. Sämtliche Symbole dieser Art befinden sich in ganz besonderen Zusammenhängen (vor Pflanzungen, am Ende von Blickschneisen) bzw. befinden sich, was die Untersuchung der Örtlichkeit ergab, an topographisch interessanten Orten. Demzufolge war die Platzierung dieser Objekte, bei denen es sich nur um Parkbänke handeln konnte, nicht zufällig, sondern bewusst geplant (Das Schadensverzeichnis von Schügens erwähnt im Übrigen im Keller der Orangerie 52 grün angestrichene Gartenbänke, die der Zerstörung der Orangerie zum Opfer gefallen sind).
Der Weg verlief ausgehend vom Corps de Logis in Richtung der Ostspitze der Gemäldegalerie, dann weiter in nordöstliche Richtung, um dann weiter nach Osten zu
verlaufen. Hierbei verlief der Weg durch große Freiflächen mit Einzel- bzw. Gruppenpflanzungen. Ein Monument oder auch vielleicht eines der vielen Vogelhäuser
bildete einen besonderen Akzent. Ungefähr im Bereich des heutigen Bauhofes der Forstverwaltung kehrte der Weg langsam um, und führte hinab ins Hirschwürzloch. Von dort verlief der Weg an einer Gabelung weiter in nicht mehr dargestellte Bereiche, beziehungsweise führte der andere Zweig der Gabelung zurück in Richtung des Corps de Logis. Der serpentinenförmige Verlauf des Weges verdeutlicht den Aufstieg des Weges. Dieser Abschnitt des Parks führte überwiegend durch Wald, lediglich ein breiter Streifen um den Weg selbst war großräumig frei von Bewuchs.
 
Bedeutsam ist Petris Plan allerdings die Einzeichnung mehrerer Gartenpavillons, was bislang erstmalig bei Carlsberger Planfunden der Fall ist. Der ca. 500 m lange Abschnitt hinter dem Corps de Logis umfasste hierbei gleich vier Pavillonstandorte.
 
Pavillon 1 befand sich in unmittelbarer Nähe des Corps de Logis. Seine Funktion ist nicht abschließend geklärt. Entstanden ist er 1785/86 in einem Bereich, der seiner Zeit schon als „Wald“ bezeichnet wurde. Die dichte Bepflanzung in der Zeichnung Petris entspricht den Erwähnungen in den Baurechnungen. Da er im Jahre 1792 (!) von hier in die Carlslust transloziert wurde und dort als „Eremitage“ benannt wird, erscheint er folgerichtig nicht mehr in den Schadensverzeichnissen von Schügens und Krutthofen. Auch waren bislang an dieser Stelle keine Bodenfunde aufgefallen, da nach der Translozierung das Gelände eingeebnet und gartengestalterisch überarbeitet wurde. Die runde Grundrissform des Pavillons deckt sich mit dem Fund in der Carlslust, wo die Fundamente in den vergangenen Jahren freigelegt und sichtbar gemacht wurden. Der Pavillon selbst muss sehr aufwändig gestaltet gewesen sein und über eine doppelt gestaffelte Kuppel verfügt haben.
 
Pavillon 2 ist bei Petri ca. 250 m hinter dem Küchenflügel innerhalb des Waldes positioniert. Das Gebäude von quadratischem Grundriss mit apsidialem Anbau an der Ostseite erhebt sich inmitten einer kreisrunden Freifläche. Da in der Deutschen Grundkarte an vergleichbarer Stelle das Kellerfundament eines Gebäudes dargestellt ist (wobei sich das Mauerwerk vor Ort auch noch findet), wurden zur Prüfung beide Pläne übereinandergelegt. Während die Gebäude der Schlossfront in beiden Plänen vorzüglich zueinander passten, befindet sich der von Petri dargestellte Pavillon etwa 60 m oberhalb des Pavillonstandortes in der Grundkarte. Da allerdings bei Petri ansonsten in diesem Abschnitt kein Gebäude dargestellt ist, muss es wohl um die gleiche örtliche Situation handeln.
Der runde Grundriss der Befunde ließ bislang vermuten, dass es sich möglicherweise um das „Prinzenlusthaus“ handelte, über das es in der Schadensbeschreibung von Krutthofen 1793 hieß, dass die zu erneuernden Lambrien im Inneren zum Teil rund waren. Da aber die Grundform des Pavillons quadratisch ist, kann diese Vermutung sicherlich nicht mehr eindeutig aufrecht gehalten werden. Genauso wenig ist hier an einen Eiskeller zu denken31, da eine solche primär funktionale Nutzung an einer derart prominenten Stelle absolut abwegig ist.
 
Viel eher ist an dieser Stelle erstmals an den „Pavillon zu Carlsberg“ zu denken, der aufgrund der Carlsberger Baurechnungen zwischen 1779 und 1783 entstanden ist. In seinem Obergeschoss gab es wohl einen Salon mit einem französischen (Marmor?)Kamin nebst zwei Spiegeln, die laut Schadensverzeichnis von Schügens 1793 zerstört wurden.
 
Pavillon 3 findet sich in Resten noch heute im Umfeld vom Bauhof des Forstes. Heute führt hier ein Hauptwaldweg exakt axial zum Corps de Logis des Schlosses. Die Überlagerung der Pläne bringt den kreisrunden Pavillon genau auf dem Weg in Höhe des Bauhofes. Die Sichtung vor Ort ergab Befundungen in etwa auf halber Strecke zwischen diesem Wegabschnitt und dem Bauhof. Die Topographie ist insofern interessant, da sich der Pavillon an einem zum Hirschwürzloch abfallenden Geländeabschnitt befindet. Petri hat das Gelände hier in puncto Bewaldung großräumig abgeräumt und lediglich wenige Akzente mit Einzelpflanzungen gesetzt. Die Hauptausrichtung war aber zum Hirschwürzloch, das sich auf dem Plan zwar dicht bewaldet zeigt, wobei allerdings der Pavillon oberhalb der Baumkronen zum stehen kam und somit eine herrliche Fernsicht gewährleistet war. An dieser Stelle sei funktional an das eingeschossige Prinzenlusthaus zu denken, das über
einen runden Grundriss verfügt haben musste, wie es in der Schadensbeschreibung von Krutthofen benannt ist und wie es bislang für die Situation anstelle des oben benannten Pavillons vermutet war.
 
Interessant ist der Umstand, dass auf der Ostseite des von Petri dargestellten Weges vor Ort ein umfangreiches Trümmerfeld vorhanden ist, dass absolut exakt in West-Ost-Richtung führt und eine sehr lang gezogene Schauseite nach Süden besaß. Petri verzeichnet an dieser Stelle einen dichten Wald. Es handelte sich hierbei vermutlich um eine der vielen Gärtnereien im Umfeld des Schlosses, die mit einer Ausnahme bis heute noch nicht den einzelnen Gärtnern zugeordnet werden konnten.
 
Pavillon 4 stand bereits im Kontext zum Hirschwürzloch. Auch hier führte die Überlagerung nicht zur eindeutigen Übereinstimmung, allerdings zeigt die Örtlichkeit ansonsten keine Befundung. Selbst der Waldweg scheint in großen Teilen mit dem heutigen Weg übereinzustimmen. Innerhalb des Hirschwürzloches ist eine bauliche Anlage dokumentiert, die in einem Bauprotokoll von Simon Berthold aus dem Jahre 1783 als „bronnenbau in daß Hirschwürzloch gegen den Berg“ benannt wird. Eben dieses Brunnenhaus scheint hier dargestellt zu sein. Interessant ist der Umstand, dass viele der Parkbänke räumlich auf dieses Gebäude ausgerichtet sind. Die Standorte der Bänke scheinen ebenfalls noch im Gelände ablesbar zu sein, da vor allem bei den Hangsituationen die entsprechenden Flächen als leichte Terrassierungen aufbereitet wurden, damit die Bänke in den mitunter steilen Hängen auf einer ebenen Fläche zu stehen kamen. Vor allem die relativ dichte Folge von drei Bänken, die eine Blickbeziehung zum Hirschwürzloch haben, verdeutlicht den Umstand, dass hier der Weg relativ steil nach oben führt und öfters die Möglichkeit der Rast für den Spaziergänger erforderte.
 
Das von Petri zu gestaltende Gelände umfasste nicht nur den Bereich des herzoglichen Schlosses, sondern auch der benachbarten Gärtnerei und des Marstalles bis inklusive dem Bereich der Reithalle. Von hier aus führte ein (heute weiter südlich verschwenkter) Weg nach Südosten, um dann nach ca. 200 m recht exakt östlich weiter zu führen. Der Abschnitt von Remise bis kurz vor dem Knick des Weges wird von Petri als gartentechnische Nutzfläche gekennzeichnet. Den Abschluss bildet auf der Nordseite des Weges ein größeres Gebäude, auf der Südseite des Weges ein kleineres Gebäude. Eine Nutzung beider Bauten ist auf Anhieb nicht ablesbar, aber inwieweit sie mit einer Gartengestaltung in Verbindung stehen, ist nicht zu sagen. Das kleine quadratische Gebäude dürfte mit einem heute noch vorhandenen Brunnen in Verbindung stehen.
Bei dem größeren Gebäude handelte es sich vielleicht um das Feuerspritzenhaus, von dem sich die Pläne im Landesarchiv Speyer erhalten haben. Vor allem die aufwändige Gestaltung der Hauptfassade mit ihrer rustizierten Arkade spricht für eine prominente Platzierung, wobei es bislang immer fraglich war, wo ein solch aufwändig gestaltetes Gebäude im Kontext der Carlsberger Anlagen zu finden sein könnte. Die Notwendigkeit seiner Existenz erklärt sich von selbst, es musste in jedem Fall in unmittelbarer Nähe des Schlosses gestanden haben, damit im Ernstfall (relativ) schnell geholfen werden konnte. Diese Möglichkeit wäre bei dieser Lokalisierung in der Tat gegeben. Die Einbindung in die Gartenarchitektur wertete letztlich diesen reinen Zweckbau auf.
 
Ein letztes Gebäude findet sich bei Petri am oberen Rand der Zeichnung als Point-de-vue des eben benannten Weges. Petri verzeichnet einen Solitärbau, der mitten in seiner Struktur abgeschnitten ist, aber auf einen oktogonalen Baukörper hindeutet. Zumindest ist ein halbes Achteck dargestellt. Spuren hiervon haben sich im Wald augenscheinlich nicht erhalten.
 
Als Fazit kann festgehalten werden, dass die bereits 1999 getroffene Vermutung, das Gelände hinter dem Schloss wäre bewusst auf Asymmetrie angelegt, bestätigt ist. Petri verzeichnet in seinem Entwurf eine große Rasenfläche, deren Kompositionsprinzipien sich an englischen Landschaftsgärten orientieren. Hinweise auf ein ursprünglich vermutetes Rasenparterres finden sich nicht, genauso wenig wie der archivalisch gesicherte Brunnen, der aufgrund seiner axialen Ausrichtung auf das Corps de Logis durchaus Bestandteil eines Rasenparterres gewesen sein könnte.

Die Datierung des Planes ins Jahr 1788 lässt sich aufgrund diverser Baumaßnahmen erhärten, die just zu diesem Zeitpunkt noch nicht durchgeführt, geschweige denn geplant waren. Zu denken wäre z.B. an einen Pavillon, der erst 1789 an die 1788 entstandene Bildergalerie angebaut wurde oder die 1789 erbaute Rotunde in deren Anschluss, der zudem auch noch eine Kolonnade angeschlossen war. Ein Rundbau am Schloss ist bei Petri nicht zu erkennen. Er hätte allerdings in dem Bereich bis
zum Parkweg einen Platz gefunden, die in den Baurechnungen belegte Kolonnade hätte dann den Weg überdeckt. Die direkte Wegeverbindung in Richtung Marstall und Remisen, die hier vom Hauptweg abzweigt, verdeutlicht die – zu jenem Zeitpunkt noch nicht geplante – Platzierung von Rotunde und Kolonnade.
 

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