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Unbekannte Pläne zu Pfalz-Zweibrücker Gärten und Parks

 

Es sind oft die Zufälle des Lebens, die auf die Spuren nach lange gesuchten und doch nie gefundenen Zeugnissen historischer Zweibrücker Schloss- und Gartenanlagen führen. Nach wie vor müssen die Pläne der meisten Schlösser und Gärten des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken als verschollen gelten. Die Frage stellt sich nur: sind sie auch wirklich verloren?

Eben einer dieser Zufälle des Lebens führte auf die Spur einer Sammlung von 61 Zeichnungen, die in der Bayerischen Staatsbibliothek als „Konvolut verschiedener Garten-, Park- und Flurpläne sowie Ortsansichten in Deutschland, England und Frankreich“ geführt werden. Im ersten Augenblick ist sicherlich mit allem zu rechnen, aber nicht mit einer Teilsammlung von 16 Zeichnungen, die sich mit dem Gartenwesen des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken und dessen Umkreis befasst.
 
Das den Zeitraum von 1758 bis 1815 umfassende Konvolut, dessen Einzelblätter durch eine Vielzahl von Zeichnern erarbeitet wurden, wirft ohnehin Fragen auf. Wer stellte es zusammen? Warum? Wie kommt es zu dieser regionalen breiten Streuung – quasi von England über die Saarpfalz bis nach Österreich? Vor allem: wie kommt das Konvolut nach München? Diese Fragen lassen sich faktenlastig nicht beantworten, allenfalls können Vermutungen angestellt werden. Diese Fragen sollen an dieser Stelle auch nicht zum Thema werden, da hier primär der Inhalt betrachtet werden soll.
 
Das Konvolut setzt sich aus folgenden Einzelblättern zusammen:

  1. Bernhard Petri, Gartenplan von Syon House des Duke of Northumberland (1r)
  2. Bernhard Petri, Plan des königlichen Schlossgartens in Kew, 1785 (2r)
  3. Bernhard Petri, Projekt einer in der Themse gelegenen Insel, 1785 (3r)
  4. Bernhard Petri, Plan des königlichen Richmond-Gartens bei Kew, 1785 (4r)
  5. Dürr, Flurkarte mit dem projektierten Rheindurchstich bei Dettenheim (5r)
  6. Nicolaus von Hellersperg, Kurfürstlicher Militärgarten...in München, 1793 (6r)
  7. Ansicht der herzoglichen Schlossgartens von Ploschkowitz (7r)
  8. Roeder, Lustgarten der Herrn von Riedesel in Darmstadt (8r)
  9. Bernhard Petri, Gartenplan von Schloss Wilton,...1785 (9r)
  10. Bernhard Petri, Lageplan von Haus und Park des Lord Carl von Temples (10r)
  11. Lustgarten mit Zelt und Fontäne (11r)
  12. Lustgarten mit Pavillon, Fontänen und Obelisk (12r)
  13. I.D.H. Kermann, Gartenplan Schloss Petersheim…1792 (13r)
  14. Damm an einem Weiher mit Flutbeet (14r)
  15. Oktogon (15r)
  16. Park mit Schloss (16r)
  17. Park-Pavillons (17r)
  18. Anlage eines Barock-Gartens (18r)
  19. Parklandschaft mit Fontäne, Statuen und Gedenkstein (19r)
  20. Lageplan eines Weihers (20r)
  21. Friedrich Leopold Cowalt, Lageplan eines Lustgartens (21r)
  22. Fehlt in der Durchnummerierung der Bsb
  23. Fehlt in der Durchnummerierung der Bsb
  24. Fehlt in der Durchnummerierung der Bsb
  25. Anlage mit Gartenbeeten und Gewächshäusern (25r)
  26. Parkanlage mit Gewächshäusern (?) (26r)
  27. C. Maier, Flurplan beim Jägersburger Schloss in Homburg, 1792 (27r)
  28. Johann Daniel Ackermann, Flurkarte vom ''Beckers Wäldchen, 1791 (28r)
  29. J. G. Stauch, Flurkarte vom Rohrbacher Wald, 1786 (29r)
  30. C. Maier, Plan über den Saufang im Ramsteiner Forst, 1791 (30r)
  31. St. Baerenfaenger, Flurplan bei Heydengebrüch (31r)
  32. Fritsch, Lageplan der Hundezwinger in Jägersburg, 1779 (32r)
  33. H. J. Tochtermann, Flurplan der Homburger Fasanerie, 1784 (33r)
  34. Flurkarte des neuangelegten Spessarter Wildparks in Hanau/Klein-Auheim (34r)
  35. 35.  H. I. Tochtermann, Flurkarte der Gegend von Erbach und Eichelscheid (35r)
  36. Steinmez, Flurkarte der Fasanerie auf dem Erbacher Bann. 1777 (36r)
  37. Fuchs, Flurkarte (37r)
  38. Flurplan des Carlsberger Weihers (38r)
  39. Volière (39r)
  40. Koetz, Verlauf der Donau bei Neuburg mit kleiner Vedute, 1776 (40r)
  41. Johann Georg Prächschl, Wallfahrtskirche Maria Egg in Siegsdorf… (41r)
  42. Joseph Estrel, Flurkarte von Rettenbach, kgl. Landgericht Wasserburg, 1810 (42r)
  43. Joseph Estrel, Flurkarte von einem Teil des Landgerichts Ebersberg, 1815 (43r)
  44. Ruprecht Fontaine, Grundriss des kgl. Marmorbruchs am Untersberg b. Salzburg (44r)
  45. Anton Jordan, Meran und Umgebung, 1810 (45r)
  46. Lageplan von Rattenberg am Inn, 1808 (46r)
  47. Landschaftsformationen mit einem See, 1814 (47r)
  48. I. Kladt, Ehrenhain mit Trophäen, Fahne mit Initiale MK (48r)
  49. Flurkarte der Umgebung von Zweibrücken/Homburg? (49r)
  50. Flurkarte des Tales über Kirrberg/ Homburg, 1783 (50r)
  51. G. Bronn, Flurkarte des Gutes Nirgendhausen, 1784 (51r)
  52. Wilhelm Eckard, Perspektivische Ansicht der Saline Philippshall, 1792 (52r)
  53. Wilhelm Eckard, Perspektivische Ansicht der Theodor- und Carlshaller Saline in Bad Kreuznach, 1794 (53r)
  54. Pferdestallungen eines Gestüts (54r)
  55. Antriebswelle mit Übertragung (55r)
  56. C. F. Hochstetter, Flurplan an der Straße von Karlsruhe nach Rüppurg (56r)
  57. Flurplan mit Gebäuden (57r)
  58. Caspar Hau, Flurplan bei Heidelberger und Rohrbacher Gemarkung, 1769 (58r)
  59. Flurplan des Seelbergs und der Grube Einigkeit (59r)
  60. Knobelach, Schlossgarten in Ludwigshafen-Oggersheim (60r)
  61. Steinmeier, Flurkarte des Louisen-Hofs (heute Schloss Karlsberg) 1768/69 (61r)

Die Sichtung der Pläne ergibt für den Pfalz-Zweibrücker Raum folgendes  identifizierbares Planmaterial, dass nachfolgend eingehend betrachtet wird:

  1. I.D.H. Kermann, Gartenplan Schloss Petersheim… 1792 (13r)
  2. Damm an einem Weiher mit Flutbeet (14r) - (Detail zu Plan Nr. 38r, es handelt sich um den Carlsberger Mühlenweiher)
  3. Anlage eines Barock-Gartens (18r) -   (Es handelt sich um Schloss und Garten Rohrbach bei Heidelberg)
  4. Parkanlage mit Gewächshäusern (?) (26r) - (Es handelt sich um einen Entwurf zur Umgestaltung des Carlsberger Parks)
  5. C. Maier, Flurplan beim Jägersburger Schloss in Homburg, 1792 (27r)
  6. J. G. Stauch, Flurkarte vom Rohrbacher Wald, 1786 (29r)
  7. St. Baerenfaenger, Flurplan bei Heydengebrüch (31r)
  8. Fritsch, Lageplan der Hundezwinger in Jägersburg, 1779 (32r)
  9. H. J. Tochtermann, Flurplan der Homburger Fasanerie, 1784 (33r)
  10. H. I. Tochtermann, Flurkarte der Gegend von Erbach und Eichelscheid (35r)
  11. Steinmez, Flurkarte der Fasanerie auf dem Erbacher Bann. 1777 (36r)
  12. Flurplan des Carlsberger Weihers (38r) - (Es handelt sich um den Carlsberger Mühlenweiher)
  13. Flurkarte der Umgebung von Zweibrücken/Homburg? (49r)
  14. Flurkarte des Tales über Kirrberg/ Homburg, 1783 (50r)
  15. Knobelach, Schlossgarten in Ludwigshafen-Oggersheim (60r)
  16. Steinmeier, Flurkarte des Louisen-Hofs (heute Schloss Karlsberg) 1768/69 (61r)

 
Auffallend ist der Umstand, dass das Konvolut sechs signierte Pläne von Johann Georg Bernhard Petri (1767 – 1854)  beinhaltet. Petri war der Sohn des Pfalz-Zweibrücker Hofgärtners Ernst August Bernhard Petri (1744 – 1809) und Großneffe von Johann Ludwig Petri (1714 – 1794). Und somit fallen weitere Aspekte umgehend auf, die mit der Familie Petri im Zusammenhang zu sehen sind.

Johann Ludwig Petri schuf als Hofgärtner von Herzog Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken in der Mitte des 18. Jahrhunderts die Entwürfe zu den wichtigen Parkanlagen im Herzogtum: Jägersburg (um 1749/50), Pettersheim (um 1760), die Neugestaltung des Zweibrücker Hofgartens (um 1762/63) oder auch die Neufassung derFasanerie Zweibrücken (um 1767).Zudem war er für Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz tätig und schuf für ihn die Grundlagen der berühmten Parkanlagen von Schwetzingen (1753), sowie zeitgleich für Pfalzgraf Friedrich Michael (den Bruder von Herzog Christian IV.) die Kernanlage von Oggersheim (1751-54).
 
Sein Neffe Ernst August Bernhard Petri war seit 1766 Hofgärtner in Zweibrücken, nachdem jener 1758 bis 1761 in Gotha gelernt hatte. Bei der Anlage der Homburger Fasanerie (1761) hatte er die Bauaufsicht inne. 1762 begab er sich auf Studienreise nach England, Frankreich und Holland. Seine erste größere Parkschöpfung waren die Anlagen der 1776 entstandenen Eremitage in Zweibrücken, die allerdings bald zugunsten der anderen herzoglichen Bauprojekte aufgegeben wurde. Auf dem Carlsberg erscheint er als verantwortlicher Hofgärtner, dem wohl auch die Gestaltung der gärtnerischen Anlagen anvertraut wurde.
 
Vor diesem familiären Hintergrund ist die Vita von Johann Georg Bernhard Petri zu sehen. Nach seiner Lehrzeit bei Friedrich Ludwig Sckell in Schwetzingen (1782 – 85) begab er sich unmittelbar auf eine Bildungsreise nach England, die in denen im Konvolut erhaltenen und 1785 datierten Plänen (zumindest in Ansätzen) dokumentiert ist. Nach seiner Rückkehr im Jahre 1788 erhielt er eine Anstellung am herzoglichen Hof und wurde mit der Umgestaltung von Teilen der Carlsberger Parkanlagen beauftragt. Hierauf bezieht sich der im Konvolut unter Nr. 26r verzeichnete, allerdings weder datierte noch signierte Plan.

Nach der Zerstörung der Carlsberger Anlagen 1793 übersiedelte Petri nach Österreich, wo er in die Dienste des Fürsten Johann von Liechtenstein trat. Für diesen gestaltete er ab 1803 die neuen Anlagen in Loosdorf (Österreich) und in Folge die Anlagen in Eisgrub und Feldsberg (Lednice und Valtice), die heute zum Weltkulturerbe zählen.
 
Folglich gibt es bei dem Konvolut eine inhaltliche Schnittmenge, die sich auf die Person von Johann Georg  Bernhard  Petri  und  dessen Familie bezieht. Denn einerseits finden sich hierin Pläne seiner Englandreise wieder, sowie Pläne zu Parkanlagen, mit denen er, sein Vater oder sein Onkel zu tun hatten. Demnach ist wohl eine Nähe des Konvolutes mit der Familie Petri anzunehmen.
 
Doch wenden wir uns nun den einzelnen Plänen zu.